Abschnitt 11

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Das Wort fiel wie ein neues Leitmotiv. Es war englisch, aber nicht ganz; es klang, als habe man es gebaut, um etwas zu sagen, das im Deutschen zu hart wäre: das Streben nach dem Besten, ohne Pathos.

„bestforming bedeutet“, sagte Dr. AuDHS, „Training, Ernährung, Lifestyle und Organisation so zu verbinden, dass Sie Ihre Ziele wirklich erreichen.“

Hans dachte: Lifestyle – ein Wort, das im Berghof lächerlich gewesen wäre, weil dort Krankheit der Lifestyle war. Hier oben war Lifestyle das Programm.

„Und hinter diesen Zielen“, fuhr Dr. AuDHS fort, „stehen zwei große Leitideen.“

Er hob zwei Finger, wie ein Lehrer, und doch war er kein Lehrer; er war jemand, der sich selbst erzieht.

„Erstens: Maximieren Sie die Anzahl gesunder und fitter Lebensjahre“, sagte er. „Nicht als Zwang zur Unsterblichkeit, sondern als Ausdruck von Lebensliebe. Weil es einen Unterschied macht, ob ich alt werde – oder ob ich alt werde und noch kann.“

Das „noch kann“ klang wie ein bayerischer Satz und wie eine philosophische Pointe.

„Zweitens: Maximieren Sie das Glück innerhalb dieser Jahre“, sagte er. „Glück im Hier und Jetzt. Nicht irgendwann. Nicht wenn alles fertig ist. Nicht nach dem nächsten Projekt.“

Hans dachte: Fertig ist nie. Das hatte er gelernt.

„Dabei hilft eine Unterscheidung“, sagte Dr. AuDHS, „die ich sehr wichtig finde. Viele Menschen erleben Glück als Mischung aus Hedonismus und Eudaimonie.“

Das Wort „Eudaimonie“ hatte etwas Bildungshaftes; es klang nach Seminarraum und nach antiker Sonne.

„Hedonismus“, sagte Dr. AuDHS, „Genuss, Freude, Komfort, Lifestyle, Schmerzfreiheit. Eudaimonie: Sinn, Beitrag, Entwicklung, Potenzial, Fürsorge, Verantwortung.“

Hans spürte, wie bei „Verantwortung“ Morgenstern den Kopf minimal hob, als erkenne er ein Stichwort aus seinem eigenen inneren Katalog.

„Das Ziel“, sagte Dr. AuDHS, „ist nicht, eines davon zu verbannen. Das Ziel ist, die richtige Mischung zu finden.“

Er machte eine kleine Pause.

„Und hier“, sagte er, „passiert etwas Interessantes: Oft führt ein kleiner, kluger Verzicht – oder besser: eine kleine, kluge Umstellung – zu einem überproportionalen Gewinn an Lebensqualität.“

Er sagte „Verzicht“ ohne Heiligkeit, und gerade deshalb war es überzeugend.

„Nicht, weil Verzicht heilig ist“, fuhr er fort, „sondern, weil er den Körper und das Nervensystem wieder empfindsamer macht.“

Hans dachte an den Ring: empfindsamer. Ja. Der Ring machte empfindsam, ob man wollte oder nicht.

„Weil er Schlaf verbessert“, sagte Dr. AuDHS. „Energie stabilisiert. Stimmung hebt. Fokus erhöht. Und dadurch entsteht mehr Glück – nicht weniger.“

Er blickte in den Raum, und sein Blick war, für einen Moment, fast zärtlich, als wolle er sagen: Ich spreche nicht von Verboten, ich spreche von Liebe.

„Ich möchte mit einem Bild enden“, sagte er.

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