„Erstens: Körper und Aufrichtung“, sagte er. „Die Fähigkeit zur geraden Körperhaltung, später das aufrechte Gehen. Das ist nicht nur eine Fortbewegungsart. Das ist ein Fundament für Gesundheit, Beweglichkeit und Fitness – auch im hohen Alter. Wir sind nicht dafür gebaut, permanent zu sitzen. Sitzen ist nicht neutral. Es ist eine Abweichung vom Bauplan.“
Hans sah, wie der Mann neben ihm, der schon einmal die Sitzposition gewechselt hatte, unwillkürlich die Beine anders stellte. Die Rede hatte körperliche Wirkung; das ist der Vorteil des Biologischen: Es trifft.
„Zweitens“, fuhr Dr. AuDHS fort, „soziale Interaktion und Empathie. Neugier auf andere, Umgang mit Hierarchien, das Lesen von Emotionen, Zuneigung über Gesten und Geschenke, Beliebtheit über Gefälligkeiten.“
Er sagte „Gefälligkeiten“ mit einer ironischen Betonung, als wüsste er, wie unerquicklich dieses Wort im bürgerlichen Ohr klingt – und wie wahr es dennoch ist.
„Das klingt banal“, sagte er, „ist aber bis heute zentral: Beziehungskompetenz ist ein Überlebensvorteil. Und sie ist ein Glücksvorteil. Denn ein Mensch ohne Zugehörigkeit ist nicht nur allein – er ist biologisch im Alarm.“
Hans dachte an die Höhe, an die Abgeschiedenheit, an das Tal, das nicht gilt; und er dachte, dass Alarm manchmal auch Heimlichkeit heißt.
„Drittens: Schlaf und Regeneration“, sagte Dr. AuDHS. „Sicherer, ruhiger Schlaf war nicht Luxus, sondern Lebensgrundlage. Und das bleibt es: Regeneration ist nicht Pause vom Leben. Sie ist Bedingung für ein gutes Leben. Ein ausgeruhter Mensch erlebt die Welt anders als ein übermüdeter. Und er trifft andere Entscheidungen.“
Hans spürte, wie sein Ring am Finger kalt wurde, als wolle er widersprechen: Entscheidungen, ja; aber Protokolle, vor allem Protokolle.
„Viertens: Allesesser und Anpassung“, sagte Dr. AuDHS. „Wir sind biologisch flexibel. Wir können unterschiedlich essen. Nicht ideologisch, sondern praktisch: Unser System ist auf Variation gebaut. Qualität und Gesamtbilanz sind entscheidend – nicht das perfekte Dogma.“
Man hörte, wie irgendwo im Raum jemand, der vielleicht gestern noch eine Ideologie gegessen hatte, leise ausatmete.
„Fünftens: Werkzeug wird Technologie“, sagte er. „Aus ‚etwas benutzen‘ wird ‚ein Verfahren beherrschen‘. Zielorientiert handeln. Probleme lösen. Das gibt nicht nur Erfolg – es gibt auch Selbstwirksamkeit. Und Selbstwirksamkeit ist ein Glücksfaktor: das Gefühl, nicht nur ausgeliefert zu sein, sondern gestalten zu können.“
Hans dachte: Gestaltung. Er, der sich einst entzogen hatte, hatte nicht gestaltet; er hatte sich gerettet. Ist Rettung Gestaltung? Oder ist sie Flucht? Und wie lange kann Flucht als Gestaltung gelten?
„Sechstens: Gesundheitsvorsorge“, sagte Dr. AuDHS. „Schon früh: Heilpflanzen, Meidung von Giftigem, Wissensweitergabe. Gesundheit war immer ein Projekt – nie ein Zufall.“
Das Wort „Projekt“ klang modern, aber es meinte etwas Altes: den Versuch, nicht zu sterben.
„Bis hierhin“, sagte Dr. AuDHS, „ist die Botschaft klar: Wir sind gemacht für Bewegung, Beziehung, Regeneration, Problemlösen, Vorsorge.“