„Und damit“, sagte Dr. AuDHS, „kommen wir zu einer Perspektive, die vieles plötzlich logisch macht.“
Er legte die Hände wieder auf das Pult, als beginne nun ein zweiter Teil, und tatsächlich begann er.
„Stellen wir uns die gesamte Menschheitsgeschichte wie einen Tag vor“, sagte er. „Vierundzwanzig Stunden.“
Er hob den Kopf, als sähe er eine Uhr.
„Und unser modernes Leben – so, wie wir es heute führen – das passiert erst ganz am Ende. In der letzten Minute. Man könnte sagen: seit dreiundzwanzig Uhr neunundfünfzig.“
Er ließ die Zahl im Raum stehen. Sie war präzise und zugleich poetisch, wie eine Datums-Pointe.
„Das heißt“, fuhr er fort, „unser Körper, unser Nervensystem, unsere Psyche – all das wurde nicht für Smartphones, Bürostühle, Dauerverfügbarkeit von Zucker und Stress entwickelt. Es wurde für etwas anderes entwickelt. Für ein Leben, das ganz lange ganz anders aussah.“
Hans dachte: Der Zauberberg, verehrte Leserin, verehrter Leser, war ein Zeitroman; und hier stand einer und machte Zeit zur Uhr. Er machte sie klein, er machte sie verständlich, er machte sie zu einem Bild. Und Bilder, das wusste Hans, sind gefährlich: Sie erlauben, dass man glaubt, verstanden zu haben.
„Ich nehme Sie mit“, sagte Dr. AuDHS – und hier, unmerklich, rutschte er in eine Sprache, die weniger „Sie“ und mehr „wir“ war; nicht mehr Arzt zu Gästen, sondern Mensch zu Menschen –, „in drei große Abschnitte dieser Uhr. Nicht als Lehrbuch. Sondern als Bild, das uns zeigt, warum wir uns heute so oft… fehlverdrahtet fühlen.“
Er sagte „fehlverdrahtet“ und lächelte, als wüsste er, dass das Wort eine Diagnose ist, die zugleich entschuldigt und anklagt.
„Seit null Uhr eins“, sagte er, „entstehen Grundpfeiler, ohne die wir heute nicht funktionieren würden.“
Und nun begann er zu zählen, und dieses Zählen war nicht trocken, sondern rhythmisch, fast wie Musik, als hätte das Musikzimmer doch noch seinen Willen.