In der Nacht, verehrte Leserin, verehrter Leser, arbeitet das Gehörte nach. Es arbeitet nicht als klare Idee, sondern als Bildmaterial, als Geruch, als Rhythmus. Und wenn der Schlaf – wie bei Hans Castorp – ohnehin ein Problem geworden ist, dann wird die Nacht zur Bühne, auf der die Gedanken, die tagsüber geschniegelt waren, plötzlich Masken tragen.
Hans Castorp ging in sein Zimmer, zog die Vorhänge zu, sah noch einmal auf den Ring – ein Reflex –, und legte dann den Handapparat weg. Er tat, wie er es seit der Fakirmatte gelernt hatte, die Dinge in Rituale zu fassen, damit sie ihn nicht überfielen. Er legte sich auf die Matte, diese stachelige Gehorsamsfläche, die zugleich Folter und Trost ist; er spürte die Punkte im Rücken, als würden sie ihm sagen: Hier bist du. Hier ist dein Körper.
Er nahm die Nackenrolle dazu, die ihm Herr Kautsonik – mit jener diskreten Würde, die er selbst in Paketen hat – ins Zimmer hatte bringen lassen. Er lag, atmete, und merkte, wie der Stress, dieses „normal hoch“ im Inneren, sich nicht in Gedanken, sondern in Gewebe ausdrückt: in Schulter, Kiefer, Bauch.
Dann begann er – wie Dr. AuDHS es ihm geraten hatte – sich eine Geschichte zu erzählen.
Und hier, verehrte Leserin, verehrter Leser, müssen wir die Erzählung in den Verdacht bringen, dass sie von Geschichten handelt. Denn der Schlaf ist vielleicht die einzige Zeit, in der der Mensch noch nicht optimiert, sondern fabuliert. Und fabulieren, das wissen Sie, ist gefährlich. Es ist die Freiheit des Geistes.