Abschnitt 3

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Man erkennt, verehrte Leserin, verehrter Leser, die neuen Heiligtümer daran, dass sie nicht nach Kirche aussehen. Die Kirche war früher ein Raum, der sich zu seiner Absicht bekannte: Gewölbe, Bänke, Altar. Die modernen Heiligtümer sind Räume, die ihre Absicht verstecken: Holz, Stoff, Pflanzen, warme Beleuchtung. Man soll sich nicht fürchten; man soll sich hingeben.

Der Health-Bereich der Sonnenalp lag hinter einer Reihe von Rundbögen, die so weich und freundlich waren, dass sie fast etwas Mütterliches hatten. Holzsäulen standen da, hell und glatt, als wären sie aus einer sorgfältig gefilterten Natur gebaut. Große Pflanzkästen, ebenfalls aus Holz, waren mit Farnen und üppigem Grün gefüllt, das so frisch aussah, dass es verdächtig wurde: als könne hier nichts welken, weil Welken nicht ins Programm passt. Davor standen Stühle, gepolstert, sauber, mit einem Muster, das bürgerlich war, ohne bieder zu sein; und neben den Stühlen kleine, runde Beistelltische, die aussahen wie Baumstümpfe, nur dass sie natürlich nie ein Baum gewesen waren. Der Teppich darunter war gestreift, als wolle er dem Sitzenden sagen: Auch das Sitzen hat eine Richtung.

An der Wand stand, in einem hellen Feld, ein Wort:

HEALTH.

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