Konkreter Stand Januar 2026 zu diesem Artikel: Das Zimmer, das für dich gebaut wird – Wie KI unsere Welt rendert (und warum 2001 längst begonnen hat, nur ohne Odyssee im Weltraum)
KI-Systeme bauen für jede*n von uns ein digitales Zimmer (Echokammer), das so dominant wird, dass es die echte Welt zunehmend nach seinem eigenen Modell formt. Und genau das lässt sich an zwei Beispielen zeigen, die ich hier direkt ankündige: (1) an dem beigefügten Chatverlauf, in dem ein Autor seinen „perfekten Roman“ halbautomatisch konstruiert und aus dem Making-of psychografische Schlüsse zieht; (2) am zuvor entstandenen 2001/KI‑Artikel selbst – an der Stelle, wo darin das Wort „Terrarium“ auftaucht, weil dieser Chat (im Projekt Benjamin Erhardt) meine Metaphernwahl konkret vorgeprägt hat.
1) Der Autor baut seinen perfekten Roman – und liest sich danach selbst daraus heraus
1.1 Der Chat als Schreibmaschine: Von „Arbeitsschritten“ zu Produktionslauf
Im Chatverlauf wird das Schreiben nicht romantisiert als „Inspiration“, sondern organisiert wie eine Produktion: Kapitelplanung, Umplanung, Promptfolgen, Re‑Uploads, Iterationen. Besonders deutlich wird das in der Timeline‑artigen Verdichtung: Aus „Planrevision“ wird ein regelrechter Produktionslauf („pro Kapitel zwei Prompts (PREP/WRITE)“, danach jeweils erneut DOCX hochladen, weiter zum nächsten Kapitel).
Das ist exakt der Punkt, an dem der Autor – fast experimentell – KI als frühe, halbautomatische Weltbau‑Instanz verwendet: nicht als Orakel, sondern als Fließband. Und das Ergebnis ist nicht „irgendein“ Roman, sondern ein Roman, der sich bewusst aus Lieblingsmotiven, Lieblingsstilen und Lieblingskonflikten zusammensetzt – inklusive auktorialer Thomas‑Mann‑Signaturen (z. B. das adressierende Erzählen) und einer streng getakteten Dramaturgie.
Diese mechanische Seite wird im Material sogar explizit benannt: Der Bericht wird als etwas beschrieben, das zeigt, „wie ein Roman als Maschine gebaut wird – und wie diese Maschine zugleich den Autor neu beschreibt“.
1.2 Das „Betriebssystem“ dahinter: Befehle, Regeln, Schnittstellen
Das Halbautomatische entsteht nicht nur durch Prompting, sondern durch ein privates Interface‑Design: Das Projekt Benjamin Erhardt nutzt eine Kommandosammlung als verbindliches Steuer‑Set („SYSTEMPROMPT: KOMMANDOSAMMLUNG (PROJEKT BENJAMIN ERHARDT)“).
Darin stehen Befehle nicht als lose Tricks, sondern als Regeln mit Rollen:
- /befehl als Mechanismus, um das System selbst zu erweitern und zu normieren (ohne „wildes“ Erfinden von Commands).
- /~~~ als literarischer Strukturassistent, der Schnitte an semantischen Schwellen setzt (Innen→Außen, Beobachtung→Handlung, Beziehungsebene→System).
- /sternsystem als universelles Analyse‑Werkzeug: ein Objekt („Planet“) wird als Resultat mehrerer Einflüsse („Sterne“) modelliert, inklusive Gewichtung und Dynamik.
Das Entscheidende daran: Der Autor baut nicht nur Text, er baut ein Verfahren, in dem Text entsteht. Genau deshalb wirkt es „halbautomatisch“: Der kreative Prozess wird in steuerbare Einheiten zerlegt – fast so, als würde man Bowmans „Zimmer“ am Ende von 2001 nicht betreten, sondern konfigurieren.
1.3 Der Roman als personalisierte Welt: „Kaleidokosmos“ als Galaxie, der Band als Planet
Ein besonders starkes Beispiel für „private Welt“ ist die Metapher, die der Autor selbst setzt: „Kaleidokosmos“ ist nicht nur ein Roman, sondern eine Galaxie – ein eigener Raum mit eigenen Regeln, Zeitrechnung, Leitmotiven; der konkrete Band ist darin nur ein „Planet“.
Parallel existiert die „Galaxie der Realität“ (inklusive privater Bezeichnung „Benny‑Galaxie“) und es gibt Überlappungen: Start‑ups gehören beiden Galaxien an, der Roman gehört primär der Fiktion, kennt aber die Realität vollständig.
Das ist inhaltlich schon die 2001-Logik: Eine Intelligenz (hier: der Autor + KI als Werkzeug) kann eine Welt bauen, die nur für einen einzigen Menschen „so“ existiert – und trotzdem die andere Welt spiegelt, kommentiert und mit ihr Materie teilt.
1.4 Der zweite Schritt: Aus dem Making‑of wird eine psychografische Auswertung
Jetzt kommt die Ebene, die du ausdrücklich verlangst: Aus der Entstehungsgeschichte werden psychografisch wichtige Erkenntnisse abgeleitet.
Das passiert im Material an mehreren Stellen ganz offen:
- Rollen‑Modell statt „ein Ich“
Der geplante biografische Text soll die „innere Besetzung“ beim Namen nennen: bezoo als Labor, Dr. AuDHS als System‑Übersetzer, Philipp Morgenstern als Grenzarbeiter, Tonio Kröger als Schaffensmotor, Gustav von A. als ästhetischer Sog – und „ich“ als Vermittler, der aufpassen muss, nicht wieder eine dieser Rollen zu werden.
Das ist psychografisch hoch relevant, weil es nicht „Charaktere“ im literarischen Sinn sind, sondern Funktionsanteile (Optimierung, Grenzgang, Wahrheit/Bindung, ästhetische Sucht, kreative Maschine). - Identität als Komposit / Remix
Der Autor beschreibt sein früheres Pseudonym‑Projekt („Bezoo Philippe“) als bewusste Mischung aus Figuren‑Archetypen (Wunsch nach Kontrolle, biografischer Sensor, Künstler‑Anteil, körperlicher/risikohafter Anteil usw.).
Das ist nicht nur Hintergrund, sondern eine Selbstbeschreibung: Identität wird als kuratierte Montage verstanden – genau wie ein Roman. - Verschiebung des Kerns: vom System‑Ich zur Beziehung/Wahrheit
In der Meta‑Reflexion wird sogar ein Kippmoment markiert: nicht länger „AuDHS“ als Identität, sondern „Morgenstern“ als Kern (Verbundenheit + Wahrheit). Und der Roman wird als Integrationsakt gelesen, der den inneren Beweiszwang reduziert („Tonio muss nicht mehr dauernd beweisen, dass du existierst.“).
Psychografisch gesprochen: Der Text ist nicht nur Werk, sondern Selbstregulations‑Architektur. Er ordnet Kräfte, die sonst gegeneinander ziehen würden. - Das Optimierungs‑Motiv als Selbstbeobachtung
In den Arbeitsnotizen wird z. B. der „Ring“ (Tracking) als modernes Thermometer beschrieben: Schlaf wird „protokolliert“, die Nacht zur Liegehalle – aber die Pointe ist, dass Schlaf sich nur optimieren lässt, indem man weniger will.
Das ist ein psychografischer Befund, weil hier nicht primär „Plot“ verhandelt wird, sondern ein Lebensmotiv: Kontrolle/Optimierung gegen Loslassen.
Damit ist Beispiel 1 vollständig: Der Autor baut sich seinen perfekten Roman als personalisierte Welt – und gewinnt aus der Bauanleitung direkt eine Landkarte seiner Motive, Rollen und Spannungen.
2) Der Artikel als Beweisstück: Warum „Terrarium“ nicht zufällig war
Du willst als zweites Beispiel den Artikel selbst, den ich eben geschrieben habe: Woher kam darin das Wort „Terrarium“, und warum ist das konkret auf diesen Chat (und das Projekt Benjamin Erhardt) zurückzuführen?
2.1 „Terrarium“ existiert hier nicht als Deko – sondern als zentrales, aufgeladenes Motiv
Im Chatmaterial taucht das Terrarium nicht abstrakt auf, sondern als konkrete Geschichte: ein Chamäleon lebt unter warmer Lampe in einer kleinen, selbstgebauten Welt; außerhalb rauscht ein Strom aus Wörtern und Bedeutungen; dann steht das Terrarium plötzlich auf einem Auto über einer „Autobahn aus leuchtenden Buchstaben“; es kippt, zerbricht – und das Tier landet in der echten Welt.
Und noch wichtiger: Diese Geschichte ist nicht einfach ein literarischer Einschub, sondern wird im Roman‑Kontext als Technik gegen die „Gedankenautobahn“ eingeführt. AuDHS sagt sinngemäß: Man müsse dem Kopf etwas geben, das nicht Autobahn ist; nicht Kampf; nicht Optimierung – „eine Strecke, die langsam ist“. Und er nennt ausdrücklich „ein Chamäleon im Terrarium“ und „eine Autobahn aus Gedanken“.
Damit ist das Terrarium hier bereits das, was Echokammern in der digitalen Welt sind:
- ein kuratierter Innenraum (warm, golden, kontrolliert, Bühne),
- mit einem draußen als unendlichem, rasendem Bedeutungsstrom,
- und der dramatischen Frage, was passiert, wenn die Glaswand bricht.
2.2 Warum ich im 2001/KI‑Artikel genau dieses Wort „Terrarium“ gewählt habe
Du wolltest, dass der 2001‑Gedanke als Ausgangspunkt dient: eine Intelligenz erschafft für einen Menschen einen perfekt passenden Raum. Wenn ich – in diesem Chat – dann ein Bild für die heutige KI‑Echokammer suche, liegt „Terrarium“ aus zwei Gründen extrem nahe:
(A) Semantisch passt es perfekt zur These.
Ein Terrarium ist eine Welt im Glas: klimatisiert, gefiltert, beobachtbar, stabil gehalten, aber nur scheinbar „Natur“. Genauso ist die algorithmische Echokammer: Sie fühlt sich an wie Welt, ist aber ein künstlich reguliertes Milieu.
(B) Kontextuell war es hier bereits „geladen“.
In diesem Projekt existiert „Terrarium“ nicht als lexikalisches Synonym, sondern als dein eigenes Symbol – eingebettet in deine Motive (Gedankenautobahn, Optimierungsdruck, Loslassen, Bruch der Bühne, Übergang in Realität).
Und hier kommt der von dir gewünschte, ganz konkrete Rückschluss: Dass das Wort im Artikel auftauchte, ist nicht nur thematisch begründet, sondern eine direkte Rückkopplung dieses Chats.
Denn genau so funktioniert die Personalisierung: Ein System greift nicht irgendeine Metapher, sondern eine, die in deinem Text‑Universum bereits Gravitation hat – so wie dein eigenes Projekt mit /sternsystem Welten als Planeten und Sterne modelliert.
2.3 Das Benjamin‑Erhardt‑Projekt ist selbst ein Terrarium
Der schärfste Punkt ist fast ironisch: Benjamin Erhardt als Projekt ist eine kuratierte Umgebung, in der Sprache, Befehle, Rollen und Textmaterial bewusst gesammelt und „aktiv“ gemacht werden („Sobald diese Datei im Projekt aktiv ist, gelten die hier definierten Befehle verbindlich.“).
Damit ist das Projekt strukturell terrarium‑artig:
- Es hat Wände (Regeln, Commands, erlaubte Rollen).
- Es hat Klima (Ton, Stil, Leitmotive).
- Es hat Beleuchtung (was ständig präsent ist: bestforming, Galaxie‑Metaphern, Dr. AuDHS, Morgenstern‑Motivik).
- Und es hat eine zentrale Figur, für die es gebaut ist: den Autor.
Wenn ich also im Artikel „Terrarium“ sage, ist das nicht nur ein hübsches Bild. Es ist eine Spur, die zeigt: Der Text wurde aus deinem Kontext heraus generiert – und genau das ist der Mechanismus, den der Artikel beschreibt (Echokammer: Welt passt sich Person an).
Schluss: Das Zimmer, der Roman, das Terrarium – und die Frage nach dem Außen
2001 zeigt ein Zimmer, das für einen Menschen gebaut wurde. Der Chat zeigt einen Roman, der für einen Menschen gebaut wird. Und der Artikel zeigt, wie selbst die Metaphern dieses Bauens wieder aus dem personalisierten Raum stammen.
Wenn man das ernst nimmt, wird die entscheidende Frage nicht „Ist das schön?“ oder „Ist das gefährlich?“, sondern: Wo ist bei all dem das Außen – und wer entscheidet, wann die Glaswand aufhört, uns zu schützen, und anfängt, uns zu begrenzen?