Sie gingen dennoch zurück.
Nicht heroisch, nicht mit einer großen Entscheidung, sondern mit jener Mischung aus Beharrung und Zufall, die Hans Castorp aus seinem Leben kennt: Man geht, weil man geht. Man geht, weil die Füße gehen. Man geht, weil man sonst stehen bleibt.
Gustav ging langsam.
Hans Castorp ging neben ihm, hielt Abstand und Nähe zugleich, wie man es tut, wenn man nicht demütigen und nicht verlieren will.
Im Hotel war es kühler.
Die Lobby roch nach Blumen und Politur; ein Duft, der so tut, als gäbe es keine Körper. Und gerade deshalb fiel Hans Castorp der zweite Geruch auf: wieder dieses Desinfektionshafte, nun stärker, in den Ecken, in den Fluren.
Gustav setzte sich in eine der Polstergruppen.
Ein Kellner kam, fragte, ob er etwas bringen könne.
Gustav sagte:
„Wasser.“
Der Kellner brachte eine Flasche.
Hans Castorp sah auf das Etikett: „naturale“.
Gustav trank.
Er trank zu schnell, und Hans Castorp dachte an Dehydrierung, an Kreislauf, an all das, was man weiß und doch nicht wissen will.
„Wir sollten…“ begann Hans Castorp.
Gustav sah ihn an.
„Wollen Sie jetzt den Löwen holen?“ fragte er, und plötzlich war da, in seiner Stimme, ein Echo der Fabel: der Tiger, der zur Autorität rennt, weil er recht hat.
Hans Castorp errötete.
„Ich will nicht diskutieren“, sagte er.
Gustav lächelte kaum merklich.
„Und doch tun Sie es“, sagte er.
Hans Castorp schwieg.
Gustav stand auf.
„Ich gehe aufs Zimmer“, sagte er.
Hans Castorp nickte.
Er begleitete ihn bis zur Treppe.
Gustav ging hinauf, Schritt für Schritt, als sei jeder Schritt ein Satz.
Hans Castorp blieb unten stehen.
Er sah ihm nach.
Und er dachte, mit einer Klarheit, die ihm den Magen zusammenzog: Das ist der Moment, in dem man gehen müsste. Jetzt. Nicht später.
Er tat es nicht.
Er blieb.