Es gibt, verehrte Leserin, verehrter Leser, Dinge, die der Mensch früher einfach tat, ohne ihnen eine Moral zu unterlegen; er tat sie, weil er sie tun musste, und weil der Körper, dieser unbestechliche Chronist, sich nicht um Begriffe kümmert. Atmen gehörte dazu. Essen. Schlafen.
Und dann kam eine Zeit, die alles, was der Mensch tat, in Aufgaben verwandelte. Sie nahm den Dingen ihre Selbstverständlichkeit und gab ihnen stattdessen Programme, Kennzahlen und – als Krönung der Unverschämtheit – kleine freundliche Diagramme, die aussehen, als wolle man dem Menschen beistehen, während man ihn in Wahrheit nur an die Leine seiner eigenen Kontrolle legt. So wurde auch der Schlaf, dieses letzte Reservat der Unverfügbarkeit, in eine Kategorie verwandelt, die man verbessern kann; und mit dem Wort „verbessern“ tritt, wie Sie wissen, schon die ganze bürgerliche Welt in den Raum: Pflicht, Leistung, Vergleich, Gewissen.
Hans Castorp hatte, seit er in diesem Hause nicht mehr bloß Gast, sondern ein Fall der Prävention war, gelernt, dass man alles, was früher Privatsache gewesen ist, heute in eine App legen kann. Nicht, weil die App böse wäre – sie ist nicht böse, sie ist höflich –, sondern weil die Welt, die sie verlangt, von einer sonderbaren Angst getrieben ist: der Angst, dass etwas ohne Messung nicht stattgefunden hat.
Der Berghof hatte Kurven. Die Sonnenalp hat Scores. Und die Nacht, verehrte Leserin, verehrter Leser, die Nacht hat jetzt ebenfalls eine Rezeption.