Hans Castorp duschte in der kleinen Kabine, die Dusche hieß und auch nichts anderes sein wollte. Das Wasser war heiß, und er dachte an Morgenstern, an die Sauna, an die Wahrheit der Hitze. Er dachte, dass Wasser immer Wahrheit ist, weil es den Körper nicht belügen lässt: Es macht ihn weich, es macht ihn rot, es macht ihn sichtbar.
Als er wieder angezogen war und den Cube verließ, empfand er, wie merkwürdig es ist, dass man nach Anstrengung leichter geht. Nicht schneller – leichter. Als hätte man etwas aus sich herausgetragen, das nicht Gewicht, sondern Unruhe war.
Er ging durch das Hotel, und die Menschen sahen ihn nicht anders an als vorher. Niemand wusste, dass er soeben zwölf Wiederholungen gemacht hatte. Niemand wusste, dass sein Rücken gebrannt hatte. Niemand wusste, dass er ein Logbuch bei sich trug, in dem seine Sätze standen wie kleine Beweise.
Und Hans Castorp dachte, mit einer leisen, toniohaften Bitterkeit: Man kann sehr viel tun, und es gilt nichts, wenn es niemand liest.
Am Abend, verehrte Leserin, verehrter Leser, kam wieder der kleine, korrekt gekleidete Mann an die Tür: die Manschette.
Hans Castorp setzte sich auf das Bett, band das Band um den Arm, drückte auf den Knopf. Die Maschine summte, zog zu, ließ los, zog zu – als würde sie ihn an etwas erinnern, das er nicht vergessen darf.
Er sah den Wert.
Die Diastole war, wie erwartet, knapp über achtzig.
„Normal hoch“, dachte er, und er hätte lachen können, wenn es nicht so unerquicklich gewesen wäre, dass man in Zahlen lebt.
Er nahm das Logbuch. Er schrieb den Wert hinein.
Er schrieb auch darunter: PUSH – erledigt.
Dann legte er den Stift weg, als sei er ein Instrument, das man nicht zu oft berühren darf, weil es sonst zu viel Wahrheit produziert.
Und bevor er das Licht ausmachte, dachte er:
Der Berghof hatte Kurven. Die Sonnenalp hat Sätze. Die Kurve war passiv; der Satz ist aktiv. Und doch ist beides dasselbe: eine Art, Zeit zu bändigen, indem man sie in Wiederholung verwandelt.
Er schloss die Augen.
Das Lächeln, das ihm dabei unwillkürlich kam, war höflich.
Und ein wenig unerquicklich.