Sie gingen zum Rack, und Zieser zeigte ihm, wie man die Stange auf Schulterhöhe nimmt, wie man den Bauch fest macht, die Rippen „runter“, als würde man den Körper in eine Form zwingen, die der Körper nicht freiwillig annimmt.
„Hier zeigt sich“, sagte Zieser, „ob du Ordnung hast.“
Hans Castorp dachte: Ordnung – wieder dieses Wort.
„Acht“, sagte Zieser. „Königssatz.“
Hans Castorp drückte die Stange über den Kopf. Es war eine andere Bewegung als Bankdrücken; sie war weniger gemütlich, weniger bürgerlich, mehr offen. Man kann beim Schulterdrücken nicht so tun, als würde man liegen und dabei doch die Welt beherrschen. Man sitzt. Man hebt.
Er machte acht.
Er notierte.
Zieser ließ ihn dehnen: sitzend auf dem Boden, Hände hinter dem Körper, Brust auf.
„Fünf“, sagte Zieser.
Hans Castorp hielt.
„Vier.“
Er spürte das Öffnen in der Schulter wie eine kleine, kontrollierte Kapitulation.
„Drei.“
„Zwei.“
„Eins.“
Dann Satz zwei: zehn, leichter. Satz drei: zwölf.
Hans Castorp spürte, wie der Schweiß kam. Nicht dramatisch, nicht wie im Krieg, sondern wie eine moderne, diskrete Nässe, die sagt: Du arbeitest.
Und er empfand, mit einem merkwürdigen Tonio‑haften Stich, dass Arbeit am Körper eine Arbeit ist, die niemand sieht, wenn man sie nicht protokolliert. Darum das Logbuch. Darum das Schreiben.
„Core“, sagte Zieser, als wäre es selbstverständlich, dass nach dem Großen das Kleinere kommt, das aber brennt.