अनुभाग 6

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वह बड़ा नहीं war, aber er war gebaut, als hätte man die Größe aus ihm herausgenommen, um sie in Dichte zu verwandeln. Seine Schultern waren breit, aber nicht schwer; seine Taille war schmal, und seine Haltung hatte jene eigentümliche Aufgerichtetheit, die nicht stolz wirkt, sondern funktional – als wäre der Rücken ein Prinzip. Er trug eine dunkle, schlichte Trainingskleidung, keine Buntheit, keine Marke, und doch sah man sofort: Das ist ein Mann, der seinen Körper nicht besitzt wie ein Kleidungsstück, sondern wie ein Werk.

Sein Gesicht war nicht jugendlich, aber es war glatt auf eine Weise, die nicht kosmetisch, sondern diszipliniert wirkte. Die Augen waren klar. Sie schauten nicht freundlich, sie schauten präzise. Und in seinem Mundwinkel lag etwas, das man als Lächeln lesen konnte, wenn man wollte – aber man musste wollen.

Dr. AuDHS sagte, wie bei einer Übergabe:

„Herr Castorp. Das ist Prof. Zieser.“

Zieser reichte Hans Castorp die Hand, kurz, trocken, ohne Druckspiel.

„Herr Castorp“, sagte er. „Freut mich.“

Hans Castorp sagte, wie er es gelernt hatte:

„Guten Morgen.“

Zieser nickte und sagte, als wäre es eine Begrüßung und eine Diagnose zugleich:

„Measure what matters.“

Hans Castorp blinzelte.

„Was…“ begann er.

Zieser hob die Hand, als wolle er die Erklärung gleich wieder in Handlung verwandeln.

„Sie sind ratlos“, sagte er, ohne Vorwurf. „Gut. Ratlosigkeit ist der Anfang jeder Ordnung.“

Dr. AuDHS lächelte, als hätte er genau das erwartet.

„Ich lasse Sie“, sagte Dr. AuDHS, und in seinem Ton lag der leise Genuss, jemanden in ein System zu übergeben. „Frank. Er übernimmt.“

Dann ging er, und Hans Castorp hatte für einen Moment das Gefühl, als sei der Cube luftleer geworden, weil die Essay‑Stimme verschwunden war und nur noch der Handwerker übrig blieb.

Zieser sah Hans Castorp an.

„Sie haben noch nie wirklich mit der Langhantel trainiert?“ fragte er.

Hans Castorp zögerte. Er wollte nicht wie ein Anfänger wirken. Und doch war er einer.

„Nicht… wirklich“, sagte er.

Zieser nickte.

„Schon Pippi Langstrumpf wusste“, sagte er, und der Satz, so unerquicklich kindlich er war, passte gerade deshalb zu ihm, weil er nicht zu ihm passte: „Ich habe das noch nie gemacht, also schaffe ich das bestimmt.“

Hans Castorp musste lächeln. Es war ein echtes Lächeln, und er ärgerte sich darüber, weil es ihn schon ein wenig eingewickelt hatte.

„Keep it simple“, sagte Zieser und ging voran in den weißen Bereich.

Hans Castorp folgte ihm.

Das Rack stand da wie ein Gerüst, und die Stange lag darin wie eine Linie, die man überschreiten muss. An der Wand war ein Bildschirm, der stumm leuchtete, als warte er darauf, etwas zu registrieren. Daneben ein kleines Regal: Verschlüsse, Scheiben, ein Stab. Und auf einer Bank lag – als sei es die modernste Form der Kurve – ein Logbuch.

„Analog?“ fragte Hans Castorp, überrascht.

Zieser nahm das Buch, schlug es auf, und man sah, dass es bereits beschrieben war, in einer klaren Handschrift, die nicht schön sein wollte, sondern lesbar.

„Wer schreibt, der bleibt“, sagte Zieser.

Hans Castorp spürte, wie ihm das Wort bleibt in die Brust ging, weil es an etwas rührte, das nicht mit Training zu tun hatte.

Zieser legte das Logbuch auf die Bank.

„Regel eins“, sagte er. „Ein Satz ist erst fertig, wenn er notiert ist. Sonst ist es nur Gefühl. Und Gefühl ist…“

„…verwischbar“, sagte Hans Castorp, und er wusste nicht, warum er das Wort sagte; aber er dachte an sein Holzstäbchen, an die Nacht, an das Beschlagen eines Fensters.

Zieser sah ihn kurz an, als würde er prüfen, ob da mehr ist als Muskel.

„Genau“, sagte er. „Und wir trainieren nicht Verwischen. Wir trainieren Wiederholen.“

Hans Castorp schluckte.

„Und was ist mit…“ Er suchte. „…Hypertrophie?“

Zieser deutete auf den Körper, als sei er die einfachste Antwort.

„Muskelaufbau ist einfach“, sagte er. Dann machte er eine Pause, die länger war als nötig, so dass der zweite Teil wie ein Urteil kam: „aber hart.“

Hans Castorp nickte. Er war nicht sicher, ob er zustimmte oder sich ergab.

„Ich erkläre Ihnen kurz die Logik“, sagte Zieser. „Dann machen wir.“

„Machen“, wiederholte Hans Castorp.

„First things first“, sagte Zieser. „Second things never.“

Hans Castorp wusste nicht, was das heißen sollte. Aber er spürte, dass es eine Ordnung ankündigte.

„Drei Tage“, sagte Zieser. „Push, Legs, Pull. Drei Muster. Und in jedem Muster: i5.“

„i5?“ fragte Hans Castorp.

„Intensität 5 von 5: Königssatz“, sagte Zieser. „Auch absteigende Pyramide genannt. Acht, zehn, zwölf. Schwer, leichter, noch leichter. Der erste Satz ist der König. Der Rest ist Disziplin.“

Hans Castorp sah auf die Stange.

„Und wenn ich…“ begann er.

Zieser hob die Hand.

„Wenn du etwas wirklich willst, findest du einen Weg“, sagte er, und seine Stimme wurde dabei nicht lauter, nur härter. „Sonst eine Ausrede.“

Hans Castorp spürte, wie ihm die Ausreden in den Hals stiegen – Alter, Ungewohntheit, Vorsicht – und wie sie gleichzeitig lächerlich wirkten neben dem Metall.

„Right here, right now“, sagte Zieser leise. Und dann: „Warm‑up.“

Er nahm den Stab, reichte ihn Hans, und Hans Castorp hielt ihn, wie man einen fremden Gegenstand hält: vorsichtig, als könnte er etwas bedeuten.

„Schulterkreisen“, sagte Zieser. „Breit. Dann eng.“

Hans Castorp machte die Bewegung, und es war erstaunlich, wie schnell der Körper versteht, was er tun soll, wenn man ihm eine Richtung gibt. Der Stab rollte in den Händen. Es knirschte nichts, es knackte nur leise, wie ein altes Haus.

„Drei nach hinten, drei nach vorn“, sagte Zieser. „Langsam. Nicht beweisen. Aufwecken.“

Hans Castorp dachte: Aufwecken – als hätte man Muskeln, die schlafen.

Dann kam die Dehnung mit dem Stab hinter dem Rücken. Hände enger, halten.

„Fünf“, sagte Zieser.

Hans Castorp hielt.

„Vier.“

Er hielt.

„Drei.“

Er spürte, wie das Ziehen in den Schultern eine Art Wahrheit war.

„Zwei.“

„Eins.“

Es war ein kleiner Countdown, und Hans Castorp empfand ihn als seltsam tröstlich. Zeit, die man zählen kann, ist weniger bedrohlich als Zeit, die einfach vergeht.

„Gut“, sagte Zieser. „Jetzt Bank.“

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