80% वाला सवाल: कैसे संकट अरबपतियों को और अमीर बनाते हैं – और क्यों वे नियम लिखते हैं

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कल्पना dir vor, es gäbe ein Wirtschaftssystem, das in Krisen nicht den Gürtel enger schnallt, sondern bei den Reichsten plötzlich auf „Turbo“ schaltet. Genau so liest sich der neue Ungleichheitsbefund von Oxfam: Seit März 2020 ist das Gesamtvermögen der Milliardär*innen inflationsbereinigt um 81% (bzw. um 8,2 Billionen US‑Dollar) gestiegen. 2025 allein kamen +2,5 Billionen US‑Dollar dazu; insgesamt liegen Milliardärsvermögen nun bei 18,3 Billionen US‑Dollar. 

Das klingt nach Ausnahmezustand – ist aber eher der Endpunkt einer 50‑jährigen Entwicklung, in der sich Geld, Macht und Rendite Stück für Stück nach oben verlagert haben. Das „81% seit 2020“ ist kein Blitz aus heiterem Himmel. Es ist die sichtbare Spitze einer Welle, die seit den 1970ern aufgebaut wurde.

In diesem Artikel ordnen wir die aktuelle Explosion der Milliardärsvermögen in den langen Trend ein: Was hat sich seit den 1970ern strukturell verändert? Warum beschleunigt sich das gerade jetzt? Und welche Mechanismen machen aus Vermögen ein selbstverstärkendes System?

1) Der Oxfam-Befund in einem Satz – und warum er so brisant ist

Oxfam beschreibt nicht nur Reichtum, sondern eine Kombination aus Vermögenszuwachs und wachsender politischer Durchsetzungskraft. Der Bericht betont, dass Milliardär*innen extrem häufig politische Ämter erreichen und über Medien- und Plattformbesitz die öffentliche Meinung beeinflussen können. 

Und während diese Spitze wächst, steht im selben Dokument eine Zahl, die wie ein moralischer Schlag wirkt: Die ärmere Hälfte der Welt besitzt nur 0,52% des weltweiten Vermögens, das reichste 1% besitzt 43,8%. 

Damit ist klar: Es geht nicht um „ein paar Reiche mehr“, sondern um eine Struktur, in der sich die Vermögenspyramide zunehmend zuspitzt.

2) 50 Jahre Rückblick: Wie wir in diese „Ära der Milliardär*innen“ gerutscht sind

Die 1970er: Das Ende der Nachkriegs-Logik

Bis in die 1970er hinein war in vielen westlichen Ländern die Grundidee: Wachstum soll breit ankommen – über starke Tarifbindung, steigende Reallöhne, hohe Spitzensteuern, Ausbau öffentlicher Infrastruktur.

Der Bruchpunkt ist nicht „ein Datum“, aber ein Muster: Seit Ende der 1970er öffnet sich eine Schere zwischen dem, was die Wirtschaft produziert, und dem, was „typische“ Beschäftigte davon als Lohnzuwachs sehen. Die Economic Policy Institute zeigt für die USA die wachsende Lücke zwischen Produktivität und typischer Stundenvergütung seit 1979 sehr deutlich. 

Wichtig: Das ist nicht nur ein US-Phänomen, aber die USA sind das sichtbarste „Labor“ für den Trend.

Die 1980er: Steuer- und Machtverschiebung (oben entlasten, unten disziplinieren)

In vielen OECD-Ländern sinken ab den 1980ern die Spitzensteuersätze deutlich: Eine OECD-Analyse zeigt, dass der OECD‑weite Durchschnitt der Top-Personensteuersätze über Jahrzehnte fiel – etwa von 66% (1981) auf 51% (1990) und weiter auf 41% (2008). 

Parallel bröckelt die Verhandlungsmacht von Beschäftigten: Die OECD berichtet, dass die Gewerkschaftsdichte seit Mitte der 1980er etwa halbiert wurde (von rund 30% auf etwa 15% in 2023/24). 

Kurz gesagt:

Weniger Gegenmacht der Arbeit + weniger Umverteilung über Steuern = mehr Spielraum für Renditen und Vermögensaufbau oben.

Die 1990er: Globalisierung & Tech – Gewinner nehmen mehr als „nur ihren Anteil“

Die 1990er waren geprägt von Marktöffnung, Outsourcing, Finanz- und Handelsintegration – und einem Tech-Schub. Der Internationale Währungsfonds (IMF) fasst Forschung so zusammen, dass technologischer Wandel ein zentraler Treiber steigender Ungleichheit ist; Handel kann Ungleichheit teils senken, während finanzielle Globalisierung eher dazu tendiert, Ungleichheit zu erhöhen. 

Das bedeutet: Selbst wenn globale Armut in Teilen der Welt durch Wachstum (z. B. in Asien) sinkt, kann innerhalb vieler Länder die Verteilung kippen – und genau das passiert.

Die 2000er: Finanzialisierung – Vermögen verdient an Vermögen

Spätestens in den 2000ern wird immer mehr Wohlstand über Assets gemacht: Aktien, Immobilien, Beteiligungen, Finanzprodukte. Wer viel besitzt, profitiert überproportional.

Und: Marktmacht wächst. Ein IMF‑Working‑Paper zeigt für fortgeschrittene Volkswirtschaften einen starken Anstieg von Mark‑ups (als Indikator für Marktmacht) seit 1980. 

Die 2010er: Nullzinsen, QE, Asset-Boom – und die Schere wird zur Rampe

Nach der Finanzkrise dominieren Niedrigzinsen und Anleihekäufe (Quantitative Easing). Die Bank of England erklärt offen: QE erhöht u. a. den Wert von Vermögenswerten wie Aktien – und steigert damit Vermögen derjenigen, die diese Assets besitzen (mit Verteilungswirkungen). 

Wer bereits viel besitzt, sitzt damit in einem Renditeaufzug.

Die 2020er: Pandemie, Markt-Rallye, AI‑Boom – Turbo für die Spitze

Und dann kommt 2020: Crash, massive Stützungsprogramme, schnelle Börsenerholung, Tech‑Rallye, später AI‑Hype. Oxfam beziffert die Folge: +81% Milliardärsvermögen seit März 2020 und +16% allein im Jahr 2025. 

3) Ein kurzer Reality-Check: „Milliardäre gab es doch immer“ – ja, aber nicht so

Um die Größenordnung zu greifen: Die moderne, global sichtbare „Billionaire Economy“ hat einen klaren Marker. Forbes veröffentlichte 1987 seine erste internationale Milliardärsliste – mit 140 Personen. 

Heute spricht Oxfam davon, dass die Zahl der Milliardär*innen erstmals über 3.000 gestiegen ist. 

Das ist nicht nur „mehr Wohlstand“, das ist ein anderes Systemniveau.

4) Die wichtigsten Gründe: Warum Milliardärsvermögen so stark steigt

Hier sind die zentralen Treiber – nicht als Verschwörung, sondern als ökonomische Mechanik, die sich über Jahrzehnte verstärkt hat:

Grund 1: Vermögenspreise steigen schneller als Löhne (Asset-Preis-Kanal)

Milliardärsvermögen hängt oft an Unternehmensanteilen. Wenn Aktienmärkte, Unternehmensbewertungen und Immobilienpreise steigen, wachsen große Vermögen automatisch.

Zentralbanken-Politik kann diesen Effekt verstärken: Die Bank of England benennt explizit, dass QE den Wert von Assets wie Aktien erhöht – und damit vor allem Eigentümer*innen solcher Assets profitieren. 

Übersetzung: Wer reich ist, hat ein Portfolio. Wer ein Portfolio hat, profitiert überproportional von Asset‑Booms.

Grund 2: Arbeit verliert Verhandlungsmacht – Wertschöpfung wandert nach oben

Wenn Tarifbindung, Gewerkschaftsmacht und institutionelle Schutzmechanismen schwächer werden, verschiebt sich der Anteil der Wertschöpfung von Löhnen zu Gewinnen.

  • OECD: Gewerkschaftsdichte seit 1985 etwa halbiert.  
  • EPI: Produktivität und typische Vergütung driften seit 1979 auseinander.  

Das ist kein moralisches Argument, sondern eine Verteilungslogik: Weniger Gegenmacht → mehr Spielraum für Gewinne → mehr Vermögen für Anteilseigner.

Grund 3: Steuern wurden (im Schnitt) „spitzenfreundlicher“

Ein großer Teil der Umverteilung passiert über Steuern und Transfers. Wenn Spitzensteuersätze sinken, bleibt mehr oben hängen – und kann wieder investiert werden (Zinseszinseffekt).

Die OECD zeigt, dass die durchschnittlichen Top‑Einkommensteuersätze über Jahrzehnte stark gefallen sind. 

(Als Beispiel für nationale Zeitreihen bietet etwa der Tax Policy Center historische US‑Top‑Steuersätze.) 

Wichtig: Es geht nicht nur um „wie hoch“, sondern auch um was wie besteuert wird – Arbeit vs. Kapitalgewinne, Erbschaften, Vermögen.

Grund 4: Marktmacht & Monopoldynamiken erhöhen Gewinne (und damit Vermögen)

Wenn Unternehmen Marktmacht haben, können sie höhere Margen durchsetzen. Das steigert Profite – und wiederum Aktienkurse und Eigentümervermögen.

  • IMF: Markups stiegen in fortgeschrittenen Volkswirtschaften deutlich seit 1980.  
  • OECD: Markups stiegen im Schnitt auch von 2000–2019; besonders stark in digital-intensiven Industrien.  

Gerade Tech‑Plattformen sind prädestiniert für „Winner‑takes‑most“: Netzwerkeffekte, Datenvorteile, Skalierung. Das ist ein Milliardärs‑Generator.

Grund 5: Technologie & Finanzglobalisierung wirken wie Ungleichheits-Verstärker

Der IMF betont in einer Zusammenfassung von Forschung, dass technologischer Fortschritt erheblich zur steigenden Ungleichheit beigetragen hat. Gleichzeitig kann finanzielle Globalisierung Ungleichheit tendenziell erhöhen. 

Mechanisch heißt das:

  • Tech belohnt bestimmte Skills, Skaleneffekte und Kapitalbesitz.
  • Finanzglobalisierung erleichtert Kapitalmobilität, Steueroptimierung, Renditesuche.

Grund 6: Erbschaften stabilisieren Vermögen über Generationen

Wenn Vermögen groß genug ist, wird es nicht mehr „verdient“, sondern verwaltet und vererbt. Die OECD hat dazu aktuell eine eigene Analyse zur Erbschaftsbesteuerung (mit Blick auf Ungleichheit und Reformoptionen). 

Das ist wichtig, weil es Reichtum weniger abhängig von Leistung und stärker abhängig von Startposition macht.

Grund 7: Der „Gewinn der letzten 10%“ ist der „Verlust der letzten 50%“ – empirisch sichtbar

Ein drastischer, aber gut belegter Befund aus der Ungleichheitsforschung: Seit 1995 floss ein sehr großer Teil des globalen Vermögenszuwachses an die Spitze. Ein World‑Bank‑Dokument, das Ergebnisse aus dem World Inequality Report aufgreift, beschreibt z. B., dass die untere Hälfte nur einen sehr kleinen Teil des globalen Vermögenswachstums erhielt, während die Top 1% einen großen Anteil erhielten. 

Und das korrespondiert mit den regionalen Vermögensanteilen: Der World Inequality Report zeigt, dass die reichsten 1% je nach Region etwa ein Viertel (Europa) bis 35–46% (Nord- und Lateinamerika) des Gesamtvermögens besitzen. 

5) Warum der Sprung seit 2020 so heftig ist: Drei Beschleuniger

Beschleuniger A: Krisenpolitik + Asset-Rallye

Die Pandemie war wirtschaftlich ein Schock – aber die Börsen und Bewertungen erholten sich in vielen Ländern schnell. Wer stark in Assets steckt, profitiert in einer Erholungsrallye überproportional.

Oxfam macht diese Dynamik in Zahlen greifbar: 81% Vermögensplus der Milliardär*innen seit März 2020 (inflationsbereinigt). 

Beschleuniger B: Gewinnkonzentration (Marktmacht, Global Player)

Große, skalierbare Unternehmen konnten Krisen oft besser absorbieren: Lieferkettenmacht, Preissetzungsspielräume, digitale Vertriebskanäle. Die Markups‑Debatte (IMF/OECD) passt hier als struktureller Hintergrund. 

Beschleuniger C: AI- und Tech-Bewertungsboom

Oxfam verweist explizit darauf, dass die Entwicklung von AI‑bezogenen Aktien (und politische Rahmenbedingungen) Superreichen-Investments zusätzlichen Rückenwind gegeben hat. 

6) Deutschland als Beispiel: Wie sich der Trend lokal anfühlt

Oxfam zeigt in der deutschen Auswertung ebenfalls den „Oben‑Turbo“:

  • Die Zahl der Milliardär*innen in Deutschland sei 2025 auf 172 gestiegen (ein Drittel mehr).  
  • Das Gesamtvermögen deutscher Milliardär*innen liege inflationsbereinigt bei 840,2 Mrd. US‑Dollar (plus 30% in 2025).  
  • Gleichzeitig: ein erheblicher Anteil der Bevölkerung lebt in Armut (Oxfam spricht von etwa einem Fünftel).  

Das ist ein Muster, das man in vielen Ländern wiederfindet: oben steigen Vermögen im Krisentempo, unten wird das Leben teurer und unsicherer.

7) Der Kern der Einordnung: 50 Jahre, ein roter Faden

Wenn man die letzten 50 Jahre auf eine Formel bringen wollte, wäre es diese:

Wir haben ein System gebaut, in dem Kapital (Besitz) strukturell schneller wächst als Arbeit (Lohn) – und in dem die politischen Regeln diesen Effekt oft verstärken statt bremsen.

Die Oxfam-Zahl „+81% seit 2020“ wirkt wie ein Skandal der Gegenwart. Historisch ist sie eher der Moment, in dem eine langfristige Entwicklung sichtbar explodiert.

Denn seit den 1970ern haben sich mehrere Zahnräder gleichzeitig gedreht:

  • Steuern: weniger Progression oben (OECD).  
  • Arbeitsmacht: schwächere Gewerkschaften und Tarifbindung (OECD).  
  • Verteilung: Produktivität entkoppelt sich von typischer Vergütung (EPI).  
  • Marktstruktur: mehr Marktmacht, höhere Markups (IMF/OECD).  
  • Finanzlogik: Asset‑Booms wirken wie Vermögenshebel (BoE/QE).  
  • Tech/Globalisierung: Skalierung und Finanzintegration verstärken Gewinnerdynamiken (IMF).  

Das Ergebnis ist eine Ökonomie, die in den oberen Etagen nicht nur reich macht, sondern Reichtum reproduziert.

8) Was man daraus mitnehmen kann (ohne Moralkeule)

  1. Die „80% seit 2020“ sind kein Ausrutscher, sondern eine Beschleunigung eines halben Jahrhunderts.  
  2. Die Frage ist nicht, ob es Milliardär*innen geben „darf“, sondern warum die Spielregeln Vermögen so viel schneller wachsen lassen als Einkommen.
  3. Wenn Vermögen politische Macht erzeugt, dann ist Ungleichheit nicht nur ein soziales Problem, sondern ein Demokratie- und Governance-Problem – und genau darauf zielt Oxfam in seinem aktuellen Bericht.  
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